Suspended Coffee

Bei Suspended Coffee handelt es sich um eine traditionelle italienische Geste (ursprünglich Caffè sospeso, zu dt. schwebender Kaffee oder aufgeschobener Kaffee). Hierbei erhält ein/eine Kund*in eines Cafés die Möglichkeit, einen Kaffee für sich und eine andere Person zu bezahlen, die sich keine Tasse Kaffee leisten kann. Die andere Person kann im Café nach einem geschenkten Kaffee fragen und diesen kostenfrei erhalten. Mit dieser Geste wird ihr ein Stück Teilhabe am gesellschaftlichen Leben geschenkt. In den letzten Jahren erfreut sich dieses innovative Preiskonzept weltweit an wachsender Beliebtheit und Bekanntheit. 

Beispiel für die Anwendung im Kulturbetriebskontext

Ein Beispiel
Ein Museum führt das Preiskonzept Suspended Coffee ein. An der Kasse (online und offline) werden Besucher*innen aktiv (Ansprache) und/oder passiv (Flyer, Plakate) dazu motiviert, nicht nur für sich selbst Eintrittstickets zu erwerben, sondern auch für verletzliche Verbraucher*innen, die sich den Eintritt nicht leisten können. Diese Tickets werden beim Museum hinterlegt und gebündelt zu einer Wohlfahrtsorganisation (z. B. Caritas, AWO etc.) weitergeleitet, welche diese Tickets in Beratungsgesprächen an verletzliche Verbraucher*innen ausgibt. Diese können nun mit diesen Tickets einen kostenlosen Museumsbesuch genießen. 
Zugang zu Kulturangeboten für verletzliche Verbraucher*innen
  • Möglichkeit des kostenlosen Zugangs zu Kunst und Kultur für verletzliche Verbraucher*innen
  • Chancen und Hinweise für Kulturbetriebe
  • Beschreibung des Preiskonzeptes ist wichtig (Kommunikation zwischen Kulturbetrieb und Besucher*innen)
  • Finanzierung durch Besucher*innen, kein ökonomisches Risiko für den Kulturbetrieb
  • Unabhängig von Unternehmensform
  • Mögliche Steigerung der Einnahmen durch das Erreichen einer neuen Zielgruppe
  • Spendenbereitschaft bei Nachfrager*innen wird als hoch eingeschätzt
  • Sensibler Umgang mit diesem Preiskonzept notwendig (z. B. Vermeidung von Stigmatisierung: Abholung der Tickets bei Wohlfahrtsorganisation, ohne Nachweiskontrolle, positiv ansprechen, stigmatisierungsarmes Wording in Werbematerialien bspw. „bedürftig“ und „verletzlich“ vermeiden)
  • Wissen um die Tradition bzw. das Preiskonzept begünstigt Entscheidung für den Kauf
  • Hoher Verwaltungsaufwand: Reibungslose Vermittlung der verschenkten Tickets an verletzliche Verbraucher*innen notwendig 
  • Sie möchten mehr darüber erfahren, wie Sie Suspended Coffee in Ihrem Kulturbetrieb implementieren können? 
    Hier geht’s zum Handlungsleitfaden!

    Erkenntnisse aus projektinterner Literaturrecherche

    ForschungsstandBisherige ErkenntnisseForschungslücken
  • 122 Google Scholar-Treffern
  • Drei relevante Beiträge
  • Eine empirische Studie
  • International populäres Konzept mit alter Tradition (im Rahmen eines gespendeten Kaffees
  • Wissen um die Tradition begünstigt Entscheidung für den Kauf
  • Variablen (Alter, soziale Normen) nehmen indirekten Einfluss auf die Wahl des Kaufs
  • Anwendung in anderen Kontexten (wie bspw. Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen)
  • Ökonomische Tragfähigkeit (Allgemein/Kulturbetriebskontext)
  • Einfluss auf kulturelle Teilhabe
  • Erkenntnisse aus projektinternen Interviewstudien

    So bewerten Kulturbetriebe, der Caritasverband Paderborn e.V. und verletzliche Verbraucher*innen Suspended Coffee im Kulturbetriebskontext.

    Verletzliche Verbraucher*innenCaritas MitarbeitendeKulturbetriebe
    ChancenHerausforderungenChancenHerausforderungenChancenHerausforderungen
  • Geringes finanzielles Risiko für den Kulturbetrieb
  • Man kann anderen Menschen helfen und etwas zurückgeben
  • Bei Abholung an ‚sicherem Ort‘ keine Stigmatisierung
  • An der Kasse nach einem Ticket fragen (Stigmatisierung)
  • Möchten keine ‚Almosen‘
  • Die Spender*innen sind unbekannt
  • Ticket-Transfer über Onlineportale wird als sinnvoll wahrgenommen
  • Positive Wahrnehmung der Spendenbereitschaft von Besucher*innen
  • Kommunikation ist ausschlaggebendes Konzept

  • Ticket-Transfer kann zur Hürde werden (Stigmatisierung)
  • Senior*innen würden die Tickets wahrscheinlich nicht annehmen
  • Geringes finanzielles Risiko
  • Positive Wahrnehmung der Spendenbereitschaft von Besucher*innen
  • Kooperation mit Wohlfahrts-organisationen
  • Hoher Kommunikations- aufwand
  • Hoher Organisationsaufwand
  • Auswahl der Personen, die das freie Ticket erhalten
  • Distributionsmechanismen des Suspended Coffee im Kulturbetrieb

    Diese Grafik veranschaulicht den Preismechanismus des Preiskonzeptes bei Anwendung im Kulturbetriebskontext. Klicken Sie auf die Grafik, um sie zu vergrößern.

    *Preiskonzept wurde im Realbetrieb getestet

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